Schmeckt Farbe?

Nun, bevor ich mir diese Frage auf der Zunge zergehen lasse, stelle ich physikalisch fest: Farben existieren nicht materiell, sondern durch Licht-Schwingungen. Die spontane Antwort lautet somit: Nein?

Auch wenn ihr jetzt Rot seht (bitte nicht Blau anlauft), ihr werdet Grün vor Neid werden, denn ich weiß es: Farbe schmeckt und dazu in allen Nuancen. Noch verrückter – und da wird einem schon Schwarz vor Augen: Farbe riecht zudem! Ehrlich, ich lüge wahrlich nicht das Blaue vom Himmel runter. Siehe auch Videoclip am Ende dieses Beitrages!!!

Wie mein’ ich das:

1. In Ausnahmefällen erklärt sich dies über Menschen mit besonderen Fähigkeiten, den Synästhetikern. Sie empfinden mehrere Sinneswahrnehmungen gleichzeitig: Sie sehen bsp. Farben und Formen, wenn sie Musik hören oder einen Duft riechen.

2. Naturwissenschaftlich erklärt man Farben – da auch diese Schwingungen – als großes, in sich verwobenes Regularium der Wahrnehmung innerhalb des (menschlichen) Universums.

3. Werblich erklärt sich dies über Gelerntes bzw. unbewusst Antrainiertes, das schon im frühesten Kindesalter beginnt und unterbewusst abgerufen wird. Also, so richtig emotional. Nicht umsonst umschreibt dann die bunte Werbewelt ihre Farben mit emotionsgeladenen Metaphern. Hierdurch wird man gezielt Erlerntes (und guten Werbern Bekanntes) abrufen. Ich rede jetzt einfach mal ins Blaue: Arktisblau, Preußischblau, Himmelblau, Vergissmeinnichtblau … upps, meine Stichwort-Frage: schmeckt Farbe?

Antwort: reine Geschmackssache, ich korrigiere, wir hörten Erfahrungssache. Farben schmecken ohne Zweifel deshalb, weil wir im Oberstübchen die Farben eben unter und mit Erfahrung verknüpft haben. Erinnert euch an das letzte, leckere und verspeiste Spanferkel: Goldbraun gebraten machte es euch an. Schon vor dem ersten Biss hattet ihr den Geschmack auf dem Gaumen. Erst dann, wenn uns der Koch durch wiederkehrend üble Ferkeleien zum Kochen bringt, wird Goldbraun zukünftig anders schmecken. Ähnliches gilt auch für Riechen und selbiger Sinneverknüpfung! Und Veganer? Nun, ihr habt recht, dort sieht man Goldbraun (wo)anders. So gilt: nicht nur in der Werbung ist die ganze Welt dem Wandel verfallen, ergo stetig anpassen und neu ausrichten … bis ans Lebensende. Mahlzeit!

Schmecken_Farben

Ein paar (gesellschaftlich bewiesene) Kostproben:

Braun schmeckt bratig, knusprig, herb

Rot schmeckt kräftig, scharf, würzig

Grün schmeckt frisch, herb, sauer-saftig

Blau schmeckt eisig neutral und ist somit auch geruchlos

Farben sind echte Werbe-Popstars!

Ob’s euch schmeckt oder nicht: Farben steigern den Wiedererkennungswert einer Marke um 80% und die Verständlichkeit um 73%. Werbung, farblich aufbereitet, wird 42% häufiger gelesen als schwarz-weiße Werbung. In bis zu 85% der Fälle wird ein Farbton ausschlaggebend sein, ob es zum Kauf kommt oder nicht. Trennen wir uns von S/W-Denken: Kaufentscheidungen sind eingefärbt – die Farbe macht den Unterschied. Wie wär’s mit Gelb? Haha, das war platt.

Die bunte Farb-Welt der Stimmung.

Farben lenken nicht nur euren Alltag, sie bestimmen ebenso eure Stimmung. Mit ihnen assoziieren Mann & Frau & Kind auch Stimmungen und Aufforderungen. Passt somit bitte auf, wie ihr euch heute kleidet ;-)

· Rote Lippen soll man küssen: Leidenschaft und „schau mich an“
· Das kleine Schwarze signalisiert: Eleganz und „nimm Abstand“
· Grün ist die Hoffnung: beruhigend und „verhalte dich natürlich“
· Rosarote Brille: jugendlich unbedarft und „spiel mit mir“

Ätsch, stimmt alles nicht!

Als wenn oben rot unterstrichenes nicht ausreichend komplex wäre …. und ich gestehe mit hochrotem Kopf: andere Länder, andere Sitten sehen das völlig anders. Verliert sich der rote Faden womöglich selbst?

In China ist Rot die Farbe von Glück und Reichtum.
In der katholischen Kirche symbolisiert es Blut, Feuer und Leiden.
In manchen Gegenden Afrikas gilt Rot als Farbe der Freude und des Lebens.
Römische Bräute wurden mit einem feuerroten Tuch umhüllt.

Was nun? Liebe Leser – ich verstehe euch – langsam seht ihr Rot und alles wirkt wie ein rotes Tuch auf euch!

Gut, langsam wird es zu bunt.

Was lernen wir daraus? Alles bleibt beim Alten! Kulturen bestimmen vehement unser (Farb-) Leitbild. In diesem Falle unsere europäische Kultur. In ihr erwachsen wir von klein nach groß, von fragend zu wissend. Punktum, damit lebt ihr gut und wir arbeiten damit dankend: mit den Farbspielen unseres Kulturkreises. Bevor ich einen Satz rote Ohren bekomme, lassen wir weitere Worte dem Rotstift zum Opfer fallen.

Werben ist Wissen und Werbepsychologie, nicht hoffen und Farben sind Illusionen – ich denke farbig. Und ihr?

Seid mit roten Augen und gelbem Wissen von mir gegrüßt, euer Edgar Sonnenfroh

Und hier der kurzweilige Film dazu:

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Oder das ganze in Youtube ansehen!

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