Merke: Marke!

Schnief, kann mir mal schnell jemand ein Tempo geben?

Danke! Und schon erhalte ich ein blauweiß verpacktes Taschentuch. So war es gewollt, aber nicht gesagt! Ich dachte an ein Tachentuch, ausgesprochen hatte ich aber interessanterweise: eine Marke. Schnief.
Schon allein hieran erkennt Mann, Frau, Kind und Kegel unschwer, dass Marken das fühlende Hirn mehr bewegen als gedacht. Siehe auch Videoclip am Ende dieses Beitrages!!!

Marke

Merke:

die Marke macht mehr möglich! Eigentlich macht sie alles aus. Weshalb?

In einer Zeit, in der Produktfunktionalität und Qualität vorausgesetzt wird, trifft jeder auf austauschbare Waren und Leistungen. Und wenn wir hier schon klärende Orientierung vermissen, muss eben ein anderer „Leuchturm“ her – die Marke. Besser ausgedrückt, das Markenverständnis. Also das, was dahinter steckt, bzw. vorher reingesteckt wurde.
Stellen wir uns dies so vor: im Wald fällt der einzelne Baum nicht auf. Alles schön grün hier. Was machen wir? Wir binden ihm ‘ne rote Fliege um. Voila, plötzlich ist er im Blickfeld und wird …. umgesägt, wenn der Waldarbeiter vor ihm steht. So ein riesiger Baum, so eine kleine Fliege, so eine große Wirkung. Die Marke verleiht praktisch Red-Bull Flügel (silberblaurot), verspricht regelrecht selbige Wings auf unserem Rücken – der Alltag wird leichter.

Wieder mal denkste.

Anders, als wir gern glauben möchten, steuert nicht der Verstand unsere Entscheidungen, sondern die Gefühle. Den in der Vergangenheit so gern beschworenen homo oeconomicus gibt es nicht, er ist nur ein reduziertes Hilfskonstrukt vermeintlicher Vernunftgründe – um sich vor der so schwach empfundenen Gefühlswelt zu drücken. Über 80 Prozent unserer Entscheidungen werden implizit bestimmt. Das Gefühl, etwas zu wollen, kommt erst, nachdem das limbische System schon längst entschieden hat. Denkst Du noch oder fühlst Du schon? Richtig, es grüßt IKEA, die Marke mit den Farben? Richtig: blaugelb.

Noch schlimmer. Mit Marken drücken wir unser Selbst(wertgefühl) aus – teilweise kongruent zu unserem eigenen Empfinden – versuchen wir, mit einer Marke ein ideales Selbstbild zu verkörpern. Mit einem iPhone ist jeder – schwups – mehr wert als mit einem Smartphone! Haha, obwohl ein Apfel draufsteht und ich wie ‘ne Birne aussehe … Auch zwischenmenschliche Beziehungen folgen diesem Muster. Wir suchen uns Partner, die uns ähnlich sind, uns sozusagen schmücken ;-)

Und jetzt das Technische.

Marken sind Denk-Abkürzungen, wie die App auf dem Smartphone eine Einwähl-Abkürzung ist. Drückst Du gedanklich drauf, werden alle wichtigen Botschaften unzensiert downgeloadet. Eine gute Marke bedient sich der Multisensorik – sie spricht alle unsere Gefühle an. Das, was wir fühlen, sendet Impulse an unser Gehirn, das daraufhin anstößt, was wir gemeinhin „Entscheiden“ nennen. Differenzierung findet so maximal in der Nische statt und nicht mehr in grundsätzlichen Leistungseigenschaften. Die Unique Selling Proposition (USP) ist tot, es lebe die Unique Advertising Proposition (UAP) – der psychologische Werbevorteil.

Du glaubst mir nicht? In der Regel kennst Du von einer Marke mit Sicherheit die Firmenfarbe, einen flotten Spruch, eine pfiffige Figur. Nur eines kennst Du nicht: warum diese Marke besser ist als andere! Wetten?

Und hier der Selbst-Bausatz.

Baue Dir eine Marke. Mach was anderes, mach was einmaliges, falle positiv auf, nur nicht mit dem Üblichen! Eine authentische Differenzierung funktioniert über glaubwürdige Werte und starker, kreativer, interner sowie externer Kommunikation. Die Belohnung: Raus aus der Vergleichbarkeit über den Preis.

Halten wir frustriert oder jubelnd fest: wir kaufen nach Farben und Sprüchen, aber nicht nach Funktionsvorsprung oder selbigen Werten.

Huii. Du bist aber ‘ne Marke, mach’ aber mal Tempo und komm zum Ende!

Es grüßt das Sonnen-Imperium der Farbe gelb, aber das kennt Ihr ja schon. Herzlichst Euer Edgar.

 

Und hier ein kurzweiliger Film dazu!

Oder den Filmclip auf Youtube ansehen!

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